Aus dem täglichen Wahnsinn mit Pferden – heute: Wirtschaft & Recht

«Kluge Köpfe schützen sich – die Tücken des Reithelm-Kaufs»

Der heutige Newsletter soll keine Grundsatzdiskussion sein darüber, ob Reiter einen Helm benötigen oder nicht – es folgt also keine Aufzählung von Vor- und Nachteilen des Helmtragens. Wir gehören zur Fraktion niemals-ohne-Helm-aufs-Pferd-sonst-fühle-ich-mich-nackt, doch möchten wir in diesem Beitrag niemanden bekehren. Viel mehr möchten mir aufzeigen, was es mit «dem Kleingedruckten», den technischen Daten beim Helmkauf auf sich hat.

Nur die inneren Werte zählen? – die Sicherheitsnorm

«Das Aussehen spielt keine Rolle, auf die inneren Werte kommt es an.» Diese Aussage ist meiner Meinung nach nicht nur bei der Partnerwahl nicht ganz ehrlich, sondern auch bei der Wahl des Reithelms. Während ich zu Beginn meines Reiterlebens noch regelmässig mit einem «Eierschalen-Helm» unterwegs war, gehe ich mittlerweile mit einem Bling-Bling-Glitzerhelm ausreiten.  Habe ich deswegen Optik vor Funktionalität gestellt? Ich glaube nicht, denn heute haben wir glücklicherweise eine riesen Auswahl an wirklich schönen Reithelmen. Der Konkurrenzdruck unter den Helmherstellern trägt jedoch nicht nur zur Vielfalt bei, sondern auch dazu, dass wir Helme der neusten Sicherheitsnorm haben, die optisch auch noch gut aussehen und für jeden Geschmack ein Exemplar vorhanden ist. Doch was hat es mit diesen Normen auf sich?

Wer einen älteren Reithelm zuhause hat, wird wahrscheinlich die Norm EN1384 auf dem Etikett lesen können. Diese Sicherheitsnorm war seit 1996 gültig, wurde aber 2014 ausser Kraft gesetzt. Daraufhin folgte die Übergangsnorm VG1, mit welcher strengere Regeln vor allem in Bezug auf Sitz, Material und Widerstandsfähigkeit erfüllt werden mussten. Für uns machte sich vor allem optisch bemerkbar, da die Helme einige Millimeter dicker mit Kunststoff ausgeschäumt werden. Seit September 2017 ist nun die europäische Sicherheitsnorm EN 1384:2017-08 gültig. EU-zertifizierte Helme sind am CE-Kennzeichen erkennbar. Weitere internationale Normen sind etwa PAS015 in Grossbritannien, ASTM F1163 in den USA oder SNELL E2001 (international). Die Norm PAS015 zeichnet besonders aus, dass die Reithelme in regelmässigen Abständen neu geprüft werden und nicht nur bei ihrer Markteinführung. Die aufgeführten Sicherheitsnormen sind insbesondere bei den etablierten Helmmarken zu finden.

Die Sache mit dem Ablaufdatum – Produktionsdatum und Lebensdauer

Beim Helmkauf sollte man auch einmal einen Blick auf das Produktionsdatum auf dem Etikett werfen. Denn auch unbenutzte Helme unterliegen einer Alterung, weshalb ein 3-jähriger «Ladenhüter» deutlich günstiger sein sollte und nach Gebrauch entsprechend auch früher ersetzt werden sollte. Grundsätzlich wird empfohlen, den Reithelm alle 5 Jahre zu ersetzen, da dann die volle Schutzwirkung durch die Alterung nicht mehr gegeben ist. Die Schutzwirkung kann auch nach einem Sturz oder Fallenlassen des Helmes deutlich reduziert sein und der Helm sollte dann ersetzt werden - auch wenn Beschädigungen im Innern häufig nicht erkennbar sind. Dies sind auch Gründe, wieso wir strikt vom Kauf eines Occassion-Helms abraten, denn dessen Vorleben kennt man nie so wirklich.

Jedem Topf seinen Deckel… die Passform

Die Passform ist wohl das wichtigste Auswahlkriterium. Der Reithelm sollte so eng anliegen, dass er einerseits zwar nicht drückt, jedoch auch nicht rutscht. Theoretisch sollte es möglich sein, dass der Helm auch ohne Kinnriemen hält, wenn man sich bückt und den Kopf schüttelt. Doch so verschieden unsere Kopfformen sind, so unterschiedlich können auch die Helmmodelle sein. So gilt es erst einmal verschiedene Helme zu testen, bis man einen Reithelm gefunden hat, der passt UND optisch gefällt.

Teurer = besser?

Ist der Preis ein Indiz für Qualität und Sicherheit? Nein! Es kann zwar gesagt werden, dass Billighelme tendenziell schlechter sind, doch wer definiert, was billig ist? Es gibt durchaus preiswerte Helme, die die Sicherheitsnorm erfüllen. Andererseits gibt es qualitativ schlechte Helme, die dank Glitzer das doppelte von ihrem Zwilling ohne Glitzer kosten. Sehr teure, exklusive Helme von über CHF 500 sind jedoch auch nicht unbedingt viel sicherer als ein Modell für CHF 150. Jeder sollte sein Preislimit für den Helm selbst festlegen, dabei jedoch beachten, dass es sich um einen Schutzgegenstand für unsere persönliche Sicherheit handelt und der Helm optimalerweise während einiger Jahre getragen werden kann. Viel wichtiger als der Preis sind jedoch die oben genannten Faktoren Passform und Sicherheit. Viel Glück bei der Suche nach dem passenden Deckel!

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